SSD Datenrettung trotz TRIM – was sich technisch wirklich verändert hat
Wir übernehmen für Sie die professionelle Wiederherstellung von Daten und haben langjährige Erfahrung mit allen gängigen Systemen.
DIREKT ZUR ANFRAGE

TRIM, SSDs und Datenrettung: Warum sich der Stand der Technik differenzierter betrachten lässt

Gelöschte oder formatierte SSDs galten lange als nicht rettbar. Neue technische Erkenntnisse zeigen, wann Datenrettung trotz TRIM noch möglich sein kann.

18. Februar 2026 - DI (FH) Markus Häfele

Über Jahre hinweg galt bei SSDs eine klare Faustregel: Wurden Daten gelöscht oder ein Laufwerk formatiert und war TRIM aktiv, galt eine Datenrettung als praktisch ausgeschlossen. Diese Einschätzung war technisch fundiert, branchenweit anerkannt und in der Praxis meist korrekt.

In den letzten Monaten zeigt sich jedoch, dass diese Sichtweise in einzelnen Punkten zu kurz greift. Nicht, weil TRIM seine Wirkung verloren hätte, sondern weil durch kontinuierliche Forschung der Einblick in die internen Strukturen moderner SSDs deutlich tiefer geworden ist. Abhängig vom verwendeten Controller lassen sich heute Zusammenhänge erkennen, die früher nicht zugänglich waren.

Dieser Artikel ordnet ein, was sich bei der Datenrettung gelöschter oder formatierter SSDs tatsächlich geändert hat – und wo weiterhin klare technische Grenzen bestehen.

Warum TRIM lange als Endpunkt der SSD-Datenrettung galt

SSDs unterscheiden sich grundlegend von klassischen mechanischen HDD Festplatten. Daten liegen nicht einfach linear auf dem Medium, sondern werden über eine komplexe Zuordnung zwischen logischen Adressen und physikalischen Speicherzellen verwaltet. Diese Zuordnung übernimmt der SSD-Controller.

Wird eine Datei gelöscht oder ein Laufwerk formatiert, laufen typischerweise folgende Prozesse ab:

  1. Das Betriebssystem meldet über TRIM, dass bestimmte logische Bereiche nicht mehr benötigt werden.
  2. Der Controller markiert diese Bereiche als ungültig.
  3. Interne Prozesse wie Garbage Collection und Wear Leveling bereiten die betroffenen Speicherzellen für zukünftige Schreibvorgänge vor.

Wichtig ist: TRIM löscht Daten nicht unmittelbar, sondern erlaubt dem Controller, sie zu entfernen. In der Praxis geschieht dies jedoch häufig sehr schnell – teils bereits im Leerlauf allein durch anliegende Stromversorgung.

Besonders kritisch wird es, wenn interne Verwaltungsstrukturen neu initialisiert oder verworfen werden. In diesen Fällen liefert der Controller nach außen nur noch leere Sektoren zurück, selbst wenn physikalisch noch Datenreste existieren. Für klassische Recovery-Software endet hier jede Zugriffsmöglichkeit.

Warum diese Einschätzung lange korrekt war

Die Annahme, dass formatierte SSDs nicht rettbar sind, beruhte nicht auf Vorsicht, sondern auf Technik:

  • Der Controller entscheidet, welche Speicherzellen tatsächlich gelesen werden.
  • Standard-Schnittstellen liefern nur logisch gültige Inhalte zurück.
  • Ohne Kenntnis der internen Mapping-Tabellen ist kein sinnvoller Zugriff möglich.
  • Viele SSDs nutzen hardwareseitige Verschlüsselung.
  • Wird der interne Schlüssel verworfen, bleiben Daten auch physikalisch unlesbar.
  • Unter diesen Bedingungen war eine Ablehnung von Datenrettungsversuchen nicht nur realistisch, sondern seriös.

Was sich technisch verändert hat – und warum das relevant ist

Neuere Untersuchungen zeigen, dass das Verhalten von SSDs nach Löschung oder Formatierung stärker vom Controller-Design und der Firmware abhängt als lange angenommen. Bei bestimmten Modellen lassen sich folgende Beobachtungen machen:

  • Interne Mapping-Strukturen (sogenannte Translator) existieren oft in mehreren Versionen
  • Nach einer Schnellformatierung ist häufig nur die aktuell aktive Version leer.
  • Ältere Versionen können noch Informationen über frühere Datenzustände enthalten
  • Die physikalischen Datenblöcke selbst sind nicht zwangsläufig sofort überschrieben.

Das bedeutet nicht, dass Daten "einfach wiederherstellbar" sind. Es bedeutet lediglich, dass unter sehr spezifischen Umständen ein früherer interner Zustand rekonstruierbar sein kann.

Zeit und Nutzung als entscheidende Faktoren

Ein häufig unterschätzter Aspekt bleibt der Faktor Zeit. Viele gehen davon aus, dass "nichts passiert", solange nicht aktiv gearbeitet wird. Das ist bei SSDs falsch!

Auch ohne aktive Nutzung laufen interne Prozesse weiter. Garbage Collection, Wear Leveling und Reorganisation verändern den internen Zustand kontinuierlich. Manchmal bleiben Daten Minuten oder Stunden rekonstruierbar, manchmal verschwinden sie sehr schnell. Ein fixes Zeitfenster gibt es nicht, da dies vom Controller, der aktuellen Firmware-Version sowie Auslastung und Zustand der Speicherzellen abhängt.

Entscheidend ist weniger die Formatierung selbst als das, was danach passiert.

Warum klassische Recovery-Software an gelöschten SSDs scheitert

Herkömmliche Datenrettungsprogramme arbeiten ausschließlich über die logische Schnittstelle. Liefert der Controller für getrimmte Bereiche nur noch leere Sektoren zurück, bleibt die Software blind. Bei gelöschten Dateien wird zwar noch der zugehörigen Dateisystemeintrag gefunden und die Software kann die Datei vermeintlich rekonstruieren. Mangels korrektem Inhalt sind diese Daten jedoch nicht wie erhofft ausführbar.

Das bedeutet jedoch nicht automatisch, dass physikalisch keine Daten mehr existieren – nur, dass sie auf diesem Weg nicht erreichbar sind. Laborbasierte Ansätze versuchen daher, unterhalb dieser Ebene anzusetzen, etwa über spezielle Betriebsmodi oder eine gezielte Rekonstruktion veralteter interner Verwaltungsstrukturen.

Das ist aufwendig, modellabhängig und keinesfalls universell einsetzbar. Übrigens für mechanische SMR-Festplatten trifft diese ebenso zu!

Klare technische Grenzen bleiben bestehen

Trotz der neuen Möglichkeiten gilt weiterhin:

  • TRIM ist kein „harmloser Hinweis“, sondern ein zentraler Mechanismus der Datenlöschung.
  • Viele Controller verwerfen Daten und Strukturen sehr schnell und endgültig.
  • Hardware-Verschlüsselung stellt eine harte Grenze dar.
  • Eine vollständige Wiederherstellung ist die Ausnahme, nicht die Regel.
  • Oft sind nur Teilstrukturen oder Fragmente rekonstruierbar.
  • Die Erfolgsquote hängt stärker denn je vom Einzelfall ab.

Technischer Deep-Dive: Was intern tatsächlich passiert und sich aus heutiger Sicht festhalten lässt

Aus technischer Sicht liegt der kritische Punkt weniger im Löschen der Datenblöcke selbst als im Verlust der logischen Übersetzungsebene. Wird der aktive Translator neu initialisiert, verliert der Controller den Bezug zu bestehenden Speicherzellen.

In seltenen Fällen bleiben ältere Versionen dieser Übersetzungstabellen noch vorhanden. Gelingt es, diese gezielt zu rekonstruieren und konsistent mit den physikalischen Daten zu verknüpfen, kann ein früherer Zustand zumindest teilweise wiederhergestellt werden.

Dieses Vorgehen erfordert detaillierte Kenntnisse über Controller-Architektur, Firmware-Logik und interne Datenstrukturen – und ist nicht mit Standardwerkzeugen reproduzierbar.

Die technische Realität ist heute differenzierter als noch vor einigen Jahren. Nicht, weil sich die Grundlagen geändert hätten, sondern weil das Verständnis für interne SSD-Strukturen gewachsen ist. TRIM ist also weiterhin ein massiver Faktor gegen Datenrettung, aber nicht mehr in jedem Szenario ein sofortiger Endpunkt.

FAQ – Häufige Fragen zur SSD-Datenrettung und TRIM

Kann man eine formatierte SSD trotz TRIM retten?

In den meisten Fällen nein. In einzelnen, stark eingeschränkten Szenarien kann jedoch eine teilweise Rekonstruktion möglich sein, abhängig von Controller, Firmware und Nutzung nach dem Formatieren.

Löscht TRIM Daten sofort?

Nein. TRIM markiert Datenbereiche als ungültig. Die tatsächliche Löschung erfolgt durch den Controller, oft jedoch sehr zeitnah – auch im Leerlauf.

Hilft es, den PC nach dem Löschen sofort auszuschalten?

Ja. Ein sofortiges Stilllegen des Laufwerks verbessert die Ausgangslage erheblich, garantiert aber keinen Erfolg.

Warum zeigen Recovery-Programme Dateien an, die sich nicht öffnen lassen?

Weil oft nur Dateisystemeinträge rekonstruiert werden, nicht aber die zugehörigen Inhalte. Diese wurden durch TRIM oder interne Prozesse bereits entfernt.

Sind SSDs grundsätzlich schlechter rettbar als HDDs?

Ja. Durch Controller-Logik, TRIM und Verschlüsselung sind SSDs deutlich komplexer und somit in mehr Fällen nicht rettbar.

Aktuelles Fazit zur Datenrettung gelöschter SSDs

Die Datenrettung gelöschter oder formatierter SSDs bleibt eine der größten technischen Herausforderungen der Branche. Neue Erkenntnisse erweitern den Handlungsspielraum in Einzelfällen, ändern aber nicht die grundlegenden Risiken.

Wer eine SSD nach einem Fehler sofort stilllegt, verbessert seine Ausgangslage.
Wer weiterarbeitet, installiert oder das System laufen lässt, verschlechtert sie oft unwiederbringlich.

TRIM ist nicht „überwunden“. Aber das Verständnis dafür ist präziser geworden.
Und genau darin liegt der Fortschritt.

24h-Service 98% Erfolgsrate
staatliche Auszeichnung Austria A https://www.allianz-fuer-cybersicherheit.de
Peter Franck
Technischer Geschäftsführer
0800770070 info@attingo.ch WhatsApp Live-Chat Diagnose-Anfrage

Attingo-Magazin

Pressemeldungen & Aktuelles
Attingo in der Presse
Messetermine und Konferenzen
Blog
Stichwortverzeichnis
FAQ - Häufig gestellte Fragen
Fallstudien: Datenrettung